Führen heißt Verantwortung übernehmen

| Dr. Bernhard Rosenberger, Inhaber und Geschäftsführer |


Ein Thema, das ich im Alltag immer wieder erlebe, ist die Frage: Wer übernimmt Verantwortung für was und in welcher (sichtbaren) Weise? Neue Entfaltungsmöglichkeiten wollen alle immer schnell haben, aber zu viele davon (Führungskräfte, Mitarbeiter, andere Mitmenschen) schlagen sich dann in die Büsche, wenn es darum geht, für etwas gerade zu stehen, was nicht gut gelaufen ist. Um Ausreden sind die Betroffenen selten verlegen, einen Schwall von Rechtfertigungen erlebt man oft. Zwar kann man durch Einüben der Feedbackregeln nach dem Muster „Wahrnehmung – Wirkung – Wunsch“ und eine offene Atmosphäre viel in Richtung Lernen bewegen – wenn es die Beteiligten denn zulassen und die Führungskräfte vorleben.


In der Praxis sind die Führungskräfte dann oft trotzdem die Getriebenen, weil sie entweder alles selbst machen oder sich nicht trauen, Mitarbeiter auf Fehler oder Minderleistung hinzuweisen. Mit dem Ergebnis, dass sie vor mir sitzen und über „zu viele Aufgaben“ oder „schwierige Mitarbeiter“ klagen.


Daher möchte ich drei Arten von Verantwortung für Führungskräfte unterscheiden:

  • Die Verantwortung erster Ordnung meint das, wofür gemeinhin Führungskräfte da sind: Einen Rahmen für Leistung, Motivation und Entwicklung schaffen, Ziele setzen und überprüfen, Budgets verhandeln, Prozesse optimieren, Mitarbeitergespräche führen und Konflikte klären. Dafür tragen Führungskräfte Verantwortung und dafür sollten sie auch Rechenschaft ablegen.

  • Die Verantwortung zweiter Ordnung heißt, nicht nur für Ergebnisse und Geschehnisse im eigenen Team Verantwortung zu haben, sondern auch dafür zu sorgen, Eigenverantwortung bei anderen zu ermöglichen und zu aktivieren, z.B. durch kluge Fragen wie „Was muss passieren, damit wir das Projektziel X zwei Monate früher erreichen?“ oder „Wie kann ich Sie dazu bewegen, dass Sie sich künftig früher bei mir melden, wenn es Probleme gibt?“ oder „Was schlägst du selbst vor?“