Letzte Ausfahrt Führung? Ein Interview mit Daniel F. Pinnow und Bernhard Rosenberger


| Dr. Bernhard Rosenberger, Partner |


Sie schreiben in Ihrem Buch: Es gibt keine Alternative zum Konzept entwicklungsorientierter Führung. Was verstehen Sie unter entwicklungsorientierter Führung?

BERNHARD ROSENBERGER: Entwicklung ist für uns der Schlüsselbegriff. Menschen entwickeln sich, Organisationen ebenso. Wer in der digitalen und globalen Wissensgesellschaft mithalten will, muss lebenslanges Lernen praktizieren. Dies gilt für das Individuum, damit es seine Beschäftigungsfähigkeit bewahrt. Und es gilt für die Unternehmen, damit sie ihre Zukunftsfähigkeit erhalten und ausbauen. Führungskräfte sind Selbstentwickler und zugleich Entwicklungshelfer für ihre Mitarbeiter, Teams und ihre Organisation. Wir propagieren das schon seit über 15 Jahren. Aber wir sehen zugleich, wie schwer es vielen Führungskräften und Organisationen fällt, dies konsequent zu realisieren. Viele Firmen wenden immer noch die alten Rezepte der 80er und 90er Jahre des letzten Jahrhunderts an und machen Führung „nebenbei“.

Führung ist nicht starr, sie ist situativ, flexibel, individuell und anstrengender denn je - gerade heute, wo Bewerber selbstbewusst mit eigenen Vorstellungen beim Unternehmen anklopfen, der Fachkräftemangel sich verschärft hat und Organisations- und Geschäftsmodelle aufgrund anspruchsvollerer Kundenbedürfnisse überall auf dem Prüfstand stehen. Wer sich nicht entwickelt, stirbt. Um es konkret zu machen: Von 100 Firmen, die neu gegründet werden, sind nach 10 Jahren noch weniger als zehn da. Wir hören nämlich immer nur von den Erfolgsgeschichten. Und die Firmen wimmeln von Leuten, die unzufrieden sind, Dienst nach Vorschrift machen und innerlich längst gekündigt haben. Warum also nicht beides auf einmal angehen? Die Menschen entwickeln sich, die Firmen entwickeln sich. Am Ende gewinnen beide. Dass die Führungskräfte sich heute mindestens 30-50% ihrer Arbeitszeit nicht der Entwicklung von Produkten, Services und Prozessen, sondern von Menschen, Teams und Organisationskulturen widmen sollten, hat sich leider immer noch nicht ausreichend herumgesprochen. Es ist wie mit dem Waldarbeiter, der sägt und sägt – und vi